Bruno Dangl berichtet vom Metta-Retreat in Burma

Ich schreibe hier über das Metta-Retreat in Burma, an dem ich im Jänner und Februar 2020 teilnehmen konnte. Es wird im Jahr 2021 ebenfalls in dieser Zeit stattfinden. Die Anmeldung dazu beginnt am 1. Mai 2020 um 0 Uhr CET; auf der Homepage nachzulesen oder hier ein PDF von den Lehrerinnen.
Ich kann diese Veranstaltung empfehlen. Die Organisation, die Unterbringung, Verpflegung, die Vorträge sowie die Interviews erlebte ich als ausgezeichnet und äußerst hilfreich. Ich konnte Wertvolles mitnehmen!

Metta-Retreat in Burma

In der Nähe von Mandalay bei der Stadt Pyin Oo Lwin liegt das Chanmyay Myaing Meditations-Zentrum CMMC. Unsere Lehrer sind Sayadaw U Indaka, Ayya Viranyani, Ariya Nyani. Sayadaw ist Abt des Klosters und sein Gründer.

Es ist möglich, zwei Wochen teilzunehmen oder zwei mal zwei Wochen (1 und 2 mit einem Abstand von 4 Tagen).

Das Besondere an diesem Retreat ist, dass die Meditierenden angewiesen werden, nur Metta-Meditation zu praktizieren! Das ist eine gewisse Umstellung für Meditierende, die gewöhnt sind, den Körper, den Atem zu beobachten oder Einsichtsmeditation zu üben.

Das Objekt der Meditation ist der Wunsch für das Wohlergehen der Wesen. Darauf richtet sich die Konzentration. Wobei sich die Wünsche an den aufeinanderfolgenden Tagen auf jene Personen richten, wie wir sie von der Metta-Meditation kennen: auf uns selbst, auf einen Wohltäter, auf einen Freund oder die geliebte Person, auf eine neutrale Person und eine schwierige Person und schließlich auf alle Wesen überall.
In dieser Reihenfolge sind diese ‚Kategorien‘ Ziel des Wünschens: meist einen oder zwei Tage hindurch; dann die nächste ‚Kategorie‘ usw., sowohl in der Sitz- als auch in der Gehmeditation, von früh bis spät. Ein intensives Training!

Wir hatten nahezu täglich 10-minütige Interviews abwechselnd bei den drei Lehrern. Es waren 37 Meditierende, die sehr ernsthaft übten.

Jeden Tag gab es einen einstündigen Dhamma-Vortrag (in englischer Sprache). Ich gebe hier den Link weiter, unter dem man diese Vorträge (und die Metta-Chants) anhören und downloaden kann:
https://cmmc.dharmaseed.org/retreats
Auszuwählen ist das Jahr 2020 und das Metta-Retreat Part 1 bzw. Part 2.

Um eine Idee (von der ‚Theorie‘) zu geben, hier einige der Themen:

  • Weg zu innerem Frieden… mit der Angst arbeiten
  • Metta als Ausdruck von Freundlichkeit
  • die Beziehung von Metta- und Vipassana-Meditation
  • die rechte Anwendung von Energie und Anstrengung
  • Metta im Reden, im Tun und im Denken, Metta in Action
  • die glückhaften Wirkungen von Metta
  • die göttlichen Verweilungen, Brahma Viharas sind Hilfe zur Befreiung
  • der nahe und der ferne Feind von Metta
  • Schau auf das gute, wenn du Metta praktizierst
  • Metta und Vergeben
  • die Gemeinsamkeit, das Miteinander von Metta und Tugend (Sila)
  • die Jhanas, die meditativen Vertiefungen
  • die Bedeutung von Vertrauen und Geduld
  • Metta mit Gleichmut ausbalancieren

Abends konnte man am Metta-Chanting teilnehmen. Das hat mir Energie gegeben, verbindet die Gemeinschaft unter den Yogis, und die Worte waren beim Erwecken des Metta-Wunsches oft hilfreich und inspirierend.

Ziel unserer Übung und Bemühung ist es, den Wunsch nach Wohlsein, nach Heilsamem für alle Wesen in uns stark zu machen. So stark, dass er unser Verhalten, unsere Rede und unser Denken bestimmt. Unheilsames hat dann – auch in schwierigen Situationen -weniger Chance. Die wohlwollende Haltung – für jeden gleichermaßen – wird zur Gewohnheit; unser Geist ist ein „Metta-Mind“, unser Herz ein „Metta-Herz“. Es ist wie eine Glocke; wie du sie auch anschlägst, sie hat immer denselben Klang – von Metta!

Ganz natürlich ergibt sich im Laufe der Übung ein ‚Miteinander‘ von Metta und Achtsamkeit. Metta ‚liebt‘ die Achtsamkeit – und umgekehrt! Und wenn wir selbstlose Liebe entfalten, ergeben sich auch wesentliche Einsichten ins Nicht-Selbst.

Meine wesentlichste Erfahrung erlebte ich schon nach wenigen Tagen des Retreats: eine schöne Freundlichkeit mit mir selbst!
Eine Bereitschaft, mich anzunehmen, (mir) zu verzeihen, ja Verständnis für mich zu haben, so wie eine Mutter zu ihrem Kind: Da ist Geduld, Warten können, Nachsicht, Vertrauen, Interesse. Da ist Wertschätzung und Respekt: ‚Ich bin es mir wert‘. Ein sehr angenehmer und nützlicher Zustand!

So ist jetzt – wieder zu Hause und in dieser Ausnahmezeit – Metta-Geist die beste Antwort auf Besorgnis, Ängste, Verwirrung und auf die Betroffenheit der Menschen. „Mögen alle Wesen glücklich sein“ ist ein Mantra geworden, mit dem ich mich durch die Zeit bewege. Es bringt mich immer in den Moment und damit in mehr Klarheit und Frieden.

Mögest du wohlauf, glücklich und in Frieden sein!

Herzlich!
Bruno

Fotos von Bruno aus Burma

Es gibt auch noch persönliche detaillierte Notizen aus dieser Erfahrung; sie betreffen Themen und Fragen wie diese…

  • zwei Arten von Metta-Meditation, worin liegt der Unterschied?
  • was ist genau das Objekt der Meditation?
  • die Kategorien und ihre Abfolge
  • die Metta-Wünsche, Wahl der Worte, der Sätze
  • wie gehe ich es an?
  • senden oder strahlen wir Metta?
  • sollen wir eine Vorstellung dabei haben?
  • der Geschmack von Metta
  • das Ziel der Übung
  • welche Wirkung hat Metta-Meditation?
  • was sagt der Erhabene über Metta? Ein Beispiel.

Wenn du mich zu dem, worüber ich geschrieben habe, etwas fragen möchtest, werde ich gerne versuchen, Antwort zu geben!
Schreibe an: bruno.dangl@gmx.at

Weitere Fotos aus Burma (Bagan und Yangon)